IPA Reisebericht nach Iğdır/ Türkei                                von Hans Erb

 

Aufgrund einer Einladung von unserem türkischen IPA Freund Mustafa AYDIN,

sind wir (Selim Demiröz, Nihat Aksoy und Hans Erb) am Mittwoch, 8. April, 2009, um 10.50 Uhr,

 mit der „Türkisch Airline“ von Stuttgart über Istanbul nach Kars  geflogen. In Istanbul haben wir übernachtet, um am nächsten Tag weiter nach Kars zu fliegen.

Kars ist noch ca. 120 km von Igdir entfernt.

Igdir selbst hat erst in 3 Jahren einen eigenen Provinz-Flughafen.

 

Mustafa Aydin ist dort Chef der Polizei in der Provinz Igdir geworden.

Die Provinz Igdir ist 1992 als 76. Provinz gegründet worden. Zuvor war sie ein Teil der Provinz Kars.

Der höchste Berg in der Türkei, der Ararat mit seinen 5.137 m, liegt zum größten Teil in der Provinz

Igdir. Nur am 30. August kann er ohne Genehmigung bestiegen werden. Ansonsten braucht man eine Sondergenehmigung durch die Behörden.

Igdir ist 3.588 km2 groß und hat 181.866 (Stand 2007) Einwohner.

Sie ist eine Provinz am östlichsten Teil der Türkei und grenzt als einzige Provinz an drei Länder (Iran, Armenien und  Naxichevan). Die Bevölkerung in der Provinz besteht zum größten Teil  aus Aserbeidschanern und Kurden. Die Kurden sind auf dem Lande und in den Bergen angesiedelt, obwohl der türkische Staat kostenlose Häuser im Bereich der Städte und Dörfer für sie gebaut hat.

Sie sind Viehzüchter und ziehen mit ihrem Vieh, meist Schafe und Kühe in den Bergen umher.

Die ehemaligen Flüchtlinge aus Aserbeidschan haben sich in den Städten und Dörfern angesiedelt.

Man sieht auch deutlich den Unterschied zu den Kurden. Sie haben bei ihren Häusern immer einen Garten  mit Obst, Gemüse und Blumen angelegt. Auch haben sie im Gegensatz zu den Kurden ein richtiges Dach auf dem Haus.

Bewohntes Haus der Kurden am Ararat.

Kurdisches Dorf bei  Tuzluca

 

Die Grenzen zum Iran und Naxichevan sind passierbar. Als Deutscher braucht man allerdings dazu ein Visum. Es gibt zwar Grenzübergänge nach Armenien, jedoch sind diese geschlossen.

Die Grenze in Armenien wird durch russisches Militär gesichert. Russland hat starkes Interesse daran, dass die Erdöl- und Gasleitungen nicht von Aserbeidschan direkt über die Türkei zum Mittelmeer verlegt werden. Daher werden zurzeit Leitungen über den Iran verlegt.

Am Fuße des Ararat konnte man die Arbeiten in ca. 1700m Höhe sehen.

 

 

                                   Verlegung der Fernleitung von Aserbeidschan zum Mittelmeer

 

Durch die geografische Lage von Igdir, hat sich der Handel mit Naxichevan und dem Iran gut entwickelt und es haben sich viele Transportunternehmen hier angesiedelt.

 

Die Provinz Igdir ist eine sehr fruchtbare Ebene, auf ca. 800m Höhe.

Sie ist stark landwirtschaftlich geprägt, wobei die Schafzucht von Bedeutung ist.

Im Gegensatz zum türkischen Hochland hat es hier mit nur ca. 25mm eine sehr niedrige Niederschlagsmenge.

 

Am Stuttgarter Flughafen waren wir mit ziemlich viel Gepäck und zusätzlich noch  4 Karton mit 50 Fahrradhelmen, die von der Freiberger Helmfirma KED, gesponsert  wurden, eingetroffen.

Die 4 großen  Karton mit den Helmen wurden kostenlos durch die Türkisch Airline transportiert, da es ja für die Verkehrssicherheitsarbeit der Polizei in der Provinz Igdir bestimmt war.

Flughafen Istanbul

 

Donnerstag, 9. April 2009

Am Flughafen in Kars wurden wir mit einem gepanzerten Nissan Geländewagen erwartet.

Das Gepäck konnte nur vollständig mitgenommen werden, weil wir die Helme aus einem Karton holten und einzeln im Fahrzeug verstauten.

 

Da unsere Ankunft  sehr schnell  bei der Polizei und dem Gouverneur in Kars bekannt wurde,  waren wir jeweils zu einem kurzen Besuch beim Gouverneur, Mehmet Ufuk ERDEN, dem Polizeichef und IPA Chef, Ibrahim DEMIRCI mit Tee und Gebäck, eingeladen.

Der Gouverneur bekam als aktiver Radfahrer einen Fahrradhelm, ebenso die Polizei hat 2 Helme für Preise bei einem Kinderwettbewerb bekommen.

Empfang beim Gouverneur von Kars, Mehmet Ufuk ERDEN

 

Kars liegt auf 1.700m Höhe und hat eine sehr gesunde Luft.

Die Provinz hat 312.205 Einwohner und 9.442 km².

Ab Herbst 2009 wird Öger-Tours direkt von Frankfurt den Flughafen Kars anfliegen, denn dort gibt es ein  gutes Wintersportgebiet  auf 2.200-2.900m Höhe.

Bei der Weiterfahrt nach Igdir mussten wir über  einen 2.020m hohen und teilweise durch Schneeverwehungen bedeckten Pass fahren.

Zusammen mit dem im gleichen Flieger angekommenen Professor Dr. Hasan Köni  sind wir im Polizeigästehaus von Mustafa Aydin empfangen worden.

  

Am Freitag, 10.April 2009

Nach dem Frühstück wurden wir um 09 Uhr, von Gouverneur  Saim Saffet KARAHISARI, empfangen.

Um 10 Uhr war die Eröffnung vom 164. Polizeitag im Kulturhaus.

                  

 

Gegen 12.30 Uhr war ein gemeinsames Essen im Gästehaus der Polizei, mit dem Gouverneur, dem

Chef der Militär Garnison, Can  CEVIK, von der  Jandarma,  Albay Ernail KELES,

dem Universitätsprofessor Dr. Hasan  KÖNI, dem Polizeichef Mustafa AYDIN und uns.

Anschließend sind alle zusammen unter Führung  des Gouverneurs zu einem Stützpunkt der Jandarma zum Ararat auf ca. 2.300m Höhe gefahren. Dort hatte man einen sehr schönen Überblick, über das ganze Tal und nach Armenien und den Iran.

 

 

 

Dann  fuhr die Kolonne zu dem armenischen-türkischen Grenzübergang.

Der Grenzübergang soll auch solange geschlossen bleiben,  bis die Frage um „Bergkarabach“ gelöst ist.

Bergkarabach ist die trotz UN Beschluss durch Armenien widerrechtlich  besetzt gehaltenes Gebiet in Aserbeidschan.

Geschlossener Grenzübergang zu Armenien

 

Auf der Rückfahrt nach Igdir haben wir ein Erinnerungsdenkmal über die armenischen Massaker gegenüber der türkischen Bevölkerung besucht.

 

 

Zum  Abschluss  waren wir in der Garnison des Militärs dabei, wie sozialschwache Kinder mit Kleidung, Schuhe, Schulsachen ausgestattet wurden.

Dies ist in der ganzen Türkei allgemein verbreitet, dass durch die Polizei, Jandarma und durch das Militär solche soziale Aktionen das ganze Jahr über durchgeführt werden.

Den Kindern  war die Freunde anzusehen.

Es handelt sich dabei um neue Bekleidung, die zuvor durch Firmen gespendet worden sind.

 

Samstag, 11.04.2009

Nach dem guten türkischen Frühstück

sind wir zusammen zur Gründungsversammlung der IPA  in das Polizeipräsidium.

Nach den Begrüßungen stellte ich bei meiner kurzen Rede die IPA -Arbeit einer Verbindungsstelle vor. Ebenso die Vorteile, sich bei der IPA aktiv einzubringen und überhaupt bei der weltweiten IPA Familie mit dabei zu sein.

 

 

Anschließend sind wir bei dem Dorf Dilucu, zu dem  Grenzübergang  von der Türkei  nach Naxichevan  gefahren.

 

Schon bei der Anfahrt zur Grenze konnte man schon von weitem  eine riesige Rauchsäule sehen.

Beim Grenzübergang konnte man feststellen, dass auf der Seite von Naxichevan  die Grenze  bzw. das Gebiet um den Grenzübergang herum, gesäubert wird, indem man das Schilf und Gestrüpp einfach anzündet.

 

 

Auf der Rückfahrt nach Igdir sind war durch das Dorf Aralik (PKK  Hochburg) gefahren.

Wenn das Lokal zu klein ist, trinkt man den Tee halt auf der Straße.

 

Anschließend  waren wir zu einem Einkaufsbummel in Igdir unterwegs.

Bei einer Bank wurden wir gleich beim Geldwechsel zum Tee eingeladen.

Bei einem aus dem Iran stammenden Gewürz-Früchte-Käse usw.-Händler versorgten wir uns mit verschiedenen Spezialitäten.

Da der Händler so eine Art Heilpraktiker war, pendelte er uns aus.

Ich war überrascht, dass er ohne ein Wort von mir gesprochen zu haben, meine Schwachpunkte beim Pendeln feststellte. So war es auch bei Selim und Nihat.

Sonntag, 12.04.2009

Nach dem Frühstück waren wir zusammen mit  Tekin AKIN und seiner Frau  mit  einem Kleinbus in der Region südlich vom Ararat und der Stadt Dogubayazit unterwegs.

Nach der Besichtigung vom dortigen Polizeirevier haben uns die dortigen Kollegen

 zum Ishak Pasa Sarayi begleitet.

Die Anlage verfügte unter anderem über eine Moschee, ein Hamam, eine Haremsabteilung, eine Bibliothek, einen Kerker und ein Grabmal, in dem auch die Erbauer bestattet wurden, sowie eine Zentralheizung, fließendes Wasser und ein Abwassersystem. Auf 7600 m² und zwei Etagen zählte der Palast ursprünglich 366 Zimmer.

Die alten vergoldeten Tore wurden unter russischer Herrschaft Anfang des 20. Jahrhunderts entfernt und befinden sich heute in der Eremitage in Sankt Petersburg.

                               

                

 

Nach einem Einkaufsbummel im Basar in Dogubayazit sind wir zur iranischen Grenze und dem dortigen Meteoriten gefahren. Dort ist bei dem Einschlag im Jahr 1892 ein Loch mit 35m Durchmesser entstanden.

 

 

            

Krater, ca. 30m tief                                Grenzübergang beim Dorf Gürbulak zum Iran

 

Dann durften wir wieder etwas näher am Ararat vorbei nach Igdir zurück fahren.

Der kleine Ararat mit 3.896m

 

Am Abend waren wir bei einem IPA Freund und  Transportunternehmer zum Grillen eingeladen.

     

 

Nihat AKSOY, Selim DEMIRÖZ, …………., Tekin AKIN

 

 

Montag, 13.04.2009

Am Vormittag konnten wir einen Besuch beim Friseur und einen kleinen Einkaufsbummel machen.

Mit dem Gouverneur wurde gemeinsam im Gästehaus der Polizei zu Mittag gegessen.

 

Anschließend war ein dienstliches Besuchsprogramm mit der Besichtigung der Bereitschaftspolizei, dem Sondereinsatzkommando, auf dem Terminplan.

     

 

 

     

Beim Sondereinsatzkommando in Igdir

 

Dann  waren wir auf einem moslemischen Friedhof, wo uns der örtliche Polizeichef und zwei der Dorfältesten  führten und uns  einiges über den über 600 Jahre alten muslemischen Friedhof erklärten.

              

Anschließend zum Tee kam noch der Stadtteil-Bürgermeister dazu.

 

Zum Abschluss des Tages waren wir im sogenannten „Kinderhaus“.

Dort wird alles was im Zusammenhang  mit polizeilicher Arbeit mit Kinder, wie vermisste oder aufgegriffene Kinder, bearbeitet.

Es sind auch Übernachtungsmöglichkeiten vorhanden. Sie werden dann rund um die Uhr betreut.

Für Bekleidung und Versorgung der Kinder ist auch alles vorhanden.

 

 

 Dienstag, 14.04.2009

 

      

Heute war unser Rückflug nach Stuttgart vorgesehen. Mustafa Aydin hat uns gegen 10 Uhr verabschiedet.

Das Polizeigästehaus wird  ständig von  Kollegen, hier mit einer russischen AK 47, bewacht.

Unser treuer Begleiter im gepanzerten Fahrzeug war eine MP 5K aus Baden-Württemberg.

Auf der Fahrt nach Kars machten wir in einem Salzbergwerk in Tuzluca noch eine schnelle Besichtigung. Dort wird das Salz noch mit der Schaufel in 25kg Säcke verpackt.

Zum Glück hatte ich meine neue LED Lenser T 7 dabei. So konnte man auch die seitlichen Stollen sehr gut ausleuchten.

 

      

 

Die Fahrt ging weiter an vielen kleinen Dörfer vorbei.

 

Von Kurden bewohntes Dorf auf der Fahrt nach Kars.

 

Am Grenzfluss zu Armenien, dem  Aras entlang in Richtung Kars.

 

 

Zum Glück war der Pass nicht wie bei der Herfahrt verschneit und es ging flott voran.

In der Provinzhauptstadt Kars angekommen, waren nach 120 km Fahrt wieder richtige Häuser zu sehen. Diese Häuser wurden von der staatlichen türkischen Baugesellschaft gebaut.

 

Beim Abflug in Kars konnten wir nochmals den Ararat sehen.

 

Nach einem Zwischenstopp in Istanbul  hat sich Selim Demiröz verabschiedet, um in der Türkei einiges geschäftlich zu erledigen.

Auch hat er dann in Istanbul seinen Geburtstag gefeiert.

Gegen 21.30 Uhr sind  Nihat AKSOY und ich in Stuttgart gelandet.

 

Nihat hat dann von zuhause aus noch gesorgt, dass ein Mädchen aus einer Großfamilie ein Laptop mit Internetanschluss von ihm geschenkt bekommt, damit sie dies alles für die Schulbildung nutzen kann. Sie hatte zuvor bei einem Schulwettbewerb beim Singen einen Preis gewonnen. Die Familie wohnt  in einem kleinen Dorf bei Igdir.

 

 

Hans Erb